70 Jahre nach der Pogromnacht: Neonazis marschieren auf

70 Jahre nach der Reichspogromnacht treten die ideologischen Erben der Nazis selbstbewusster auf. Die Strategie der Neonazis, historische Ereignisse für sich zu besetzen, wird ausgeweitet. Bislang versuchten die Rechtsextremisten vor allem, Anlässe wie die Bombardierung deutscher Städte aus dem historischen Kontext zu lösen und so zu missbrauchen, um ihrem Opferkult zu huldigen sowie deutsche Verbrechen zu relativieren.

Nun gehen die Neonazis dazu über auch an Jahrestagen wie dem der Reichspogromnacht gegen „einseitigen Schuldkult“ aufzumarschieren. In sich schlüssig, könnte man meinen, immerhin waren die Opfer ja Deutsche. Aber nicht in den Augen der Völkischen, in deren Ideologie Juden keine Deutschen sein können, genausowenig wie schwarze Menschen oder Kinder von Migranten (wobei noch immer nicht geklärt ist, ab der wievielten Generation sie jemanden dann doch als Deutschen anerkennen, denn gegen Hugenotten hetzen Neonazis ja nicht).

„Das bessere Deutschland“

In Aachen und Fulda wollen Neonazis am 08. November 2008 aufmarschieren, in Fulda suchten sie sich ein Motto aus, welches auf das Ende der DDR abzielt: „Endlich auferstehen aus Ruinen – Deutschlands Zukunft liegt in unserer Hand“ Offensichtlich ein vorgeschobenes Motto – denn es sind gerade NPD und „nationalrevolutionäre“ Kader, die offen die DDR als das bessere Deutschland loben: homogener, sozialistisch bis staatskapitalistisch, preußisch geprägt, so oft gehörte Argumente.

In Aachen rufen Neonazis zu einer Demonstration unter dem Motto „Gegen einseitige Vergangenheitsbewältigung! Gedenkt der deutschen Opfer!” auf. Wie geschrieben: Die deutschen Juden meinen die Initiatoren wohl kaum.

Siehe auch: Bündnis ruft zu Demonstration gegen Neonazi-Aufmarsch auf , NRW: Neonazis dürfen zur Reichspogromnacht marschieren, TV- und Buchtipp: Die Odyssee der KinderPogrom vom 9. November 1938: Weißwäscher am WerkHessen: Neonazi-Aufmarsch zur Pogromnacht verboten, Neonazis wollen zur Reichspogromnacht aufmarschieren, Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, 69 Jahre nach der Reichspogromnacht: Erneut jüdischer Friedhof geschändet