Größte bundesweite Kampagne gegen Antisemitismus gestartet

Die Amadeu Antonio Stiftung eröffnete heute die bundesweit größte Kampagne gegen Antisemitismus in Deutschland, die Aktionswochen gegen Antisemitismus 2008. In diesem Jahr finden 400 Veranstaltungen in 150 Orten in allen Teilen der Bundesrepublik statt. Beteiligte Initiativen setzen sich in Gedenkveranstaltungen, Theater- und Filmaufführungen, Zeitzeugengesprächen und Lesungen mit historischem und aktuellem Antisemitismus auseinander.

So präsentiert beispielsweise in Stadthagen das Projekt „für demokratie courage zeigen“ eine Ausstellung zum aktuellen Antisemitismus, ein „Denk Ort“ an der ehemaligen Synagoge in Halberstadt wird an die Öffentlichkeit übergeben und in Brandenburg werden Jugendliche bei einem Workshop der Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz einen handyfähigen Videoclip gegen Antisemitismus und gegen Gewalt erstellen.

„Wir haben vor fünf Jahren die Aktionswochen im Osten gestartet, wo es auch einfach darum ging, im Kontext von Gedenkveranstaltungen überhaut die jüdischen Opfer der Nazis zu benennen. Inzwischen gibt es mehrere Veranstaltungen, die sich mit dem Antisemitismus in der DDR beschäftigen. Die Aktionswochen gibt es jetzt bundesweit. Allgemein stellen wir erfreulicherweise eine verstärkte Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte der Shoah fest“ so Anetta Kahane, Vorsitzende der Stiftung.

Ob in Schöneiche bei Berlin oder in Berlin-Charlottenburg: Vergangene Woche wurden Menschen — weil sie als jüdisch erkennbar waren oder einfach mit Juden assoziiert wurden — antisemitisch beleidigt, beschimpft, bedroht. In Hamburg wurden gar muslimische Grabsteine mit Davidsternen, anti-muslimischen Beschimpfungen und Hakenkreuzen beschmiert. Bundesweit und kontinuierlich geschehen Schändungen von jüdischen Friedhöfen und Beschädigungen von Denkmälern, die an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnern. In dem Zeitraum von Januar bis September 2008 zählte das Bundeskriminalamt 1108 antisemitische Straftaten, darunter 31 Gewalttaten. Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes, nannte den Antisemitismus eine „reale Bedrohung“, die einem „alltäglich begegnet“. Stephan J. Kramer begrüßte die gestrige Entscheidung des deutschen Bundestages zur Bekämpfung des Antisemitismus, aber “die Ausgrenzungsversuche“ der CDU hinterließen „einen bitteren Beigeschmack.“ Dadurch sei „Zwietracht unter den demokratischen Parteien“ gesät worden.

Komplette Liste der Veranstaltungen der Aktionswochen finden Sie hier

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