Nazi-Konzert in MVP: “Diskussionswürdige Entscheidung” / Polizei kritisiert Kommune

Mindestens 1000 Personen haben am 25. Oktober 2008 ein Neonazi-Konzert in Mecklenburg-Vorpommern besucht. Bei dem Rechtsrockkonzert im Dorf Mallentin in Nordwestmecklenburg trat laut Medienberichten auch Michael Regner auf. Die Lübecker Nachrichten sprachen mit Knut Abramowski, dem Chef der Polizeiinspektion in Schwerin, über den Polizeieinsatz. Dabei wird klar, dass die staatlichen Stellen offenbar wenig Ahnung von der Neonazi-Szene haben. „Bereits am Freitag lagen der Polizei erste Erkenntnisse über ein zu erwartendes rechtes Konzert im norddeutschen Raum vor“, so Abramowski, das Bundesland war aber noch unbekannt. Dabei reisten bereits Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet an.

„Nach Erkenntnissen und Überprüfungen des Polizeiführers vor Ort gehörten die auftretenden Bands nicht zu denen, die durch verbotene Musik auffällig geworden waren. Das führte zu seiner Entscheidung, die Veranstaltung nicht zu verbieten und nicht aufzulösen“, sagte Abramowski weiter. Der gesamte Einsatz werde fachaufsichtlich durch die Polizeidirektion Schwerin aufbereitet. Hierbei werde auch die „durchaus diskussionswürdige Entscheidung des Polizeiführers zur Sprache kommen“.

Polizei kritisiert Kommunen

Mittlerweile gab die Polizei eine Erklärung zu dem Einsatz ab: Demnach stellte der Leiter der Polizeidirektion Schwerin Versäumnisse fest. So seien „notwendige Kontrollen der anreisenden Rechtsextremisten im Vorwege nicht durchgeführt und Polizeikräfte zu spät nach Mallentin gebracht“ worden. Fehlerhafter und nachlässiger Umgang mit einsatzrelevanten
Informationen aus dem Einsatzbereich der Polizeidirektion Schwerin machten es dem vor Ort agierenden Polizeiführer unmöglich die Teilnahme des Rechtsextremisten Michael Regener zu erkennen.  „Wäre diese wichtige Information zum Polizeiführer gelangt, hätte es eine neue Lagebeurteilung gegeben, die auch zu einer Auflösung geführt hätte.“ Zusätzliche Schwierigkeiten ergaben sich für die Polizei, weil sie seitens der zuständigen Ordnungsbehörde während des Einsatzes keinen Ansprechpartner gehabt habe.

„Versäumnisse einzelner Polizeibeamter wurden aufgearbeitet. Geht es doch auch weiterhin darum, zusammen mit den Kreisen und Kommunen gegen rechtsextremistische Veranstaltungen konsequent vorzugehen“, so der Leitende Polizeidirektor, Knut Abramowski, in seinem Fazit.

Das Info-Portal links-lang berichtete, neben Regner alias die „Lunikoff Verschwörung“ seien die Bands „Einherjer“, „Thrima“, „Angry Bootboys“ und „Exzess“ aufgetreten. Regener, Ex-Sänger der als kriminellen Vereinigung verbotenen Band „Landser“, war im Frühjahr aus dem Gefängnis entlassen worden. Im Dezember 2003 war er zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Sein Anwalt ging gegen das Urteil in Revision; Regener blieb bis zum April 2005 auf freiem Fuß. Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil des Kammergerichts bestätigt hatte, trat Regener im April 2005 seine Reststrafe von zwei Jahren und zehn Monaten in der JVA Tegel an.

NPD-Chef Voigt spricht bei Demo für Lunikoff

Innerhalb der Neonazi-Szene gilt er als Kultfigur mit Märtyrerstatus. Im Oktober 2006 waren fast 1000 Neonazis aufmarschiert, um die Freilassung von Lunikoff zu fordern. Auch die NPD-Berlin hatte zu der Demonstration aufgerufen, als Redner trat sogar NPD-Chef Udo Voigt auf. Regener war nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes im Oktober 2004 der NPD beigetreten. Er habe dies auf seiner Web-Seite damit begründet, “diese schöne Partei nicht den Demokraten (…) überlassen zu wollen”. Er verfügte schon vor seinem Eintritt über Kontakte zur NPD, schreibt der Verfassungsschutz. In einer Erklärung der NPD vom September 2004 propagiert die Partei die Schaffung einer “Volksfront von rechts” und die Notwendigkeit auch parteiunabhängiger Aktionsformen. Man sehe sich “verpflichtet, mit gutem Beispiel voranzugehen und einen Brückenschlag vorzunehmen”. Daraufhin traten mit Thorsten Heise, Thomas (”Steiner”) Wulff und Ralph Tegethoff im gleichen Monat drei Wortführer der neonazistischen Szene in Deutschland der Partei bei. 

Siehe auch: NRW: Konzert der NPD-Düren mit “Lunikoff”?, “Lunikoff” kommt aus der Haft: Dokumentation der Texte, NPDler wollen keine Neonazis sein – Part II