Angebliche Pläne der NPD: Gemeinde kauft Gasthof

Die Gemeinde Warmensteinach macht von ihrem Vorkaufsrecht für den Gasthof Puchtler Gebrauch. Damit wolle der Bürgermeister einen Erwerb durch die NPD verhindern, berichtete der BR. Über Wochen hatten die Bewohner zuvor mit Demos und einem Lichtergottesdienst gegen das NPD-Vorhaben protestiert, heiß es.

Die Gemeinde wolle die Gebäude des Gasthofs samt Grundstück erwerben. Dafür solle der Verkehrswert von 380.000 Euro bezahlt werden. NPD-Funktionär Jürgen Rieger hatte angekündigt, auch alle dazugehörigen Grundstücke in der Umgebung für insgesamt 1,84 Millionen Euro kaufen zu wollen. Jetzt liege es am Eigentümer des Gasthofes, wie es weiter gehe, sagte Bürgermeister Voit. Sollte dieser das Angebot der Gemeinde ausschlagen, so dürfe er dennoch nicht an die NPD verkaufen. Vielmehr sei dann der gesamte Vertrag ungültig, berichtet der BR weiter. Seit Anfang September liegt Warmensteinach ein notarieller Kaufvertrag für das Gasthaus vor. Der interessierte Käufer ist der Hamburger Anwalt und Neonazi Jürgen Rieger, der jahrelang die Heß-Gedenkmärsche im nahen Wunsiedel organisiert hat.

Für Riegers Zwecke bietet sich der Ort im Kreis Bayreuth besonders durch die Nähe zum Grab des Hitler Stellvertreters Rudolf Heß in Wunsiedel an. Nachdem in Warmensteinach eine für den August angekündigte Gedenkveranstalung für Heß verboten worden war, wollten die Neonazis am 27. September 2008 erneut eine “Saalveranstaltung” in dem Gasthof durchführen. Unter dem Motto “Gegen Überfremdung und Volkstod” sollten neben Rieger der NPD-Kader Norman Bordin sowie der stellvertretende Vorsitzende der NPD Bayern, Uwe Meenen, sprechen.

“Siedlungsprojekt für nationale Familien”

Rieger hegte zudem angeblich bereits weitergehende Pläne für das Anwesen. Ähnlich wie bei seinem in den 90er Jahren gescheiterten Vorhaben in Südwestschweden wollte er aus dem fränkischem Anwesen angeblich ein “Siedlungsprojekt für nationale Familien” machen. 

Immobilienpoker?

Rieger äußert immer wieder Interesse für diverse Immobilien, besonders in Süd- und Norddeutschland. Zurzeit geht es um einen Gasthof in Faßberg. Experten bezweifeln allerdings die Ernsthaftigkeit von Riegers Kaufabsichten und gehen von einem “Immobilienpoker” aus. Dessen Ziel sei es, den Preis für die marode Immobilie künstlich in die Höhe zu treiben, um den Mehrerlös mit dem Verkäufer zu teilen. Ein Indiz dafür sei die Tatsache, dass Rieger das Gebäude bereits in der Zwangsversteigerung vor dem Celler Amtsgericht für 750.000 Euro hätte erwerben können. Nach den jetzt vorliegenden Plänen müsste “der als geizig geltende Rieger” weit mehr bezahlen, heißt es laut NDR-Angaben.

Ein weiterer Hinweis darauf ist die offenkundig mangelhafte Recherche des Hamburger Anwalts. Rieger hat nämlich übersehen, dass die Gemeinde Faßberg nach wie vor eine Trumpfkarte in Händen hält, die Riegers Pläne zunichte machen könnte: das kommunale Vorkaufsrecht. Das Vorkaufsrecht gibt der Gemeinde die Möglichkeit, selbst in den Kaufvertrag einzutreten. Sie könnte Rieger dann die Immobilie vor der Nase wegschnappen, müsste dann allerdings den vollen Kaufpreis aus der kommunalen Kasse zahlen. Rieger geht davon aus, dass dieses Vorkaufsrecht nicht besteht, da es nicht im Grundbuch vermerkt ist – ein offenkundiger Irrtum, wie Experten aus Land und Kreis bestätigen.

Spekulationen um Tietjens Erbe

Zudem gibt es Spekulationen über Riegers Vermögen: Rieger handelt im aktuellen Fall erneut im Namen der in London registrierten Firma „Wilhelm–Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd.“ – wie auch beispielsweise im Fall Delmenhorst. Diese ist benannt nach dem vermögenden Bremer Altnazi Wilhelm Tietjen, der Rieger im Jahre 2001 per handschriftlichem Testament zum Erben einsetzte. In diesem Testament wird Rieger nach Informationen von NDR Info zur “baldigen Gründung” eines Institutes verpflichtet, dass die “Mehrung von Trägern elitärer Erbanlagen und die Einrichtung einer entsprechenden Spermabank” zum Ziel hat. Rieger hatte in der Vergangenheit mehrfach von der “Aufzucht arischer, blonder Menschen” gesprochen. Bislang gibt es aber nach vorliegenden Informationen noch kein Institut, des ““Samenbanker und Schädelvermessers”, wie NPD-interne Gegner Rieger bezeichneten.

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