Neonazis und die Pogromnacht: Aufmarsch in Aachen verboten

Der für den 8. November geplante Aufmarsch von Neonazis in Aachen ist verboten worden. Wie die Aachener Nachrichten berichteten, wollte der vorbestrafte Axel Reitz aus Köln mit anderen Neonazis einen Tag vor dem 70. Jahrestag der Pogromnacht gegen die „einseitige Vergangenheitsbewältigung“ aufmarschieren.

Diese Versammlung am Vorabend der Pogromnacht berge „mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit die Gefahr der Begehung von Straftaten wie der Volksverhetzung,“ so Polizeipräsident Klaus Oelze dem Bericht zufolge zur Begründung des Verbots. Der Neonazi wolle nun rechtlich gegen das Verbot vorgehen, schreibt das Blatt weiter. Reitz war erst im April nach Verbüßung einer 22 Monate dauernden Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden.

Querfront als Ziel

Reitz war Aktivist im „Kampfbund deutscher Sozialisten“, welcher im Juli 2008 aufgelöst wurde. In einer am 22. Juli verbreiteten Erklärung teilten laut bnr drei führende Vertreter des KDS mit, das “Experiment” werde eingestellt. Thomas Gerlach aus dem thüringischen Altenberg, Axel Reitz aus Köln und Thomas Brehl aus Langen (Hessen) erklärten, die Bilanz sei nach zehn Jahren “zu dürftig”: “Vor allem scheinen die Erfolgsaussichten zu gering, um die weitere Investition von Zeit, Kraft, Arbeit und Geld zu rechtfertigen.”

Der KDS war am 1. Mai 1999 gegründet worden und hatte sich zum Ziel gesetzt, “,rechte’ und ,linke’ Sozialisten” auf der Basis eines “gemeinsamen Bekenntnisses zu Volk und Nation” zu einen. Allerdings wurde die Truppe auch in rechtsextremen Kreisen wegen ihres Uniformfetischismus, ihrer Ordens- und Titelsucht sowie ihrer Sympathie für Nordkorea oder den Irak Saddam Husseins wahlweise belächelt oder scharf kritisiert.

Proteste in Aachen

Gegen den geplanten Neonazi-Aufmarsch von Reitz und Kameraden liegen bislang sechs Anmeldungen von Gegendemonstrationen vor. Unter anderem habe die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) eine Kundgebung gegen den rechten Aufmarsch angemeldet, so die Aachener Nachrichten. Linksautonome haben im Internet angekündigt, den Aufmarsch blockieren zu wollen, damit die Neonazis nicht vom Bahnhof aus abmarschieren können.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) plant eine Antinazi-Demonstration am 8. November. Diesbezüglich sagte DGB-Chef Heinz Kaulen den Aachener Nachrichten auf Anfrage, dass er erst am 28. Oktober 2008 Einzelheiten über den geplanten Ablauf mitteilen werde. Geplant sei indes keine Konkurrenzveranstaltung zu den anderen Protesten, sondern eine weitere Möglichkeit, bei der Bürger ihren Unmut über die Neonazi-Provokation äußern können.

Siehe auch: TV- und Buchtipp: Die Odyssee der KinderPogrom vom 9. November 1938: Weißwäscher am Werk, Hessen: Neonazi-Aufmarsch zur Pogromnacht verboten, Neonazis wollen zur Reichspogromnacht aufmarschieren, Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, 69 Jahre nach der Reichspogromnacht: Erneut jüdischer Friedhof geschändet