Sachsen: Wenn Jugendliche einen Club für Nicht-Rechte haben wollen

In Limbach-Oberfrohna soll in der kommenden Woche ein neuer Jugendclub öffnen. Die Freie Presse berichtet ausführlich darüber, dass bereits vor der Eröffnung des neuen Jugendtreffs zwei Scheiben eingeschlagen wurden und es schon weitere Vorfälle gegeben habe. „Einige Jugendliche, die sich nicht der rechten Szene in Limbach anschließen wollen, werden seit über einem Jahr von rechts orientierten Jugendlichen bedroht und zum Teil auch körperlich verletzt“, berichtet eine junge Frau dem Blatt. Deshalb sei der Verein Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna gegründet worden.

Für einen Treff sei ein ehemaliger Laden in der Helenenstraße angemietet worden, schreibt das Blatt. „Die Miete dafür finanzierten sie durch Spenden, vom Lehrlingsentgelt und durch Zeitung austragen. Es wurde renoviert und sauber gemacht. Auch die Eltern halfen mit. Ein Tischlerlehrling baute einen Tresen“, erzählte die Frau demnach. Die etwa 15 Jugendlichen seien froh, endlich einen Treff zu haben. So seien verschiedene Projekte wie Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote und Ausflüge geplant. „Doch irgendjemand stört das“, so die junge Frau weiter. Bereits am 4. Oktober hätten sich einige Jugendliche vor dem Laden versammelt, Verkehrsschilder herausgerissen und drohten, den Laden zu stürmen“, berichtet sie.

Polizei sieht kein Problem

Etwa 30 rechtsextremistische Jugendliche hätten sich versammelt, wie demnach auch Augenzeugen bestätigten. Ein Bus, mit rechtsextremen Jugendlichen besetzt, habe gehalten und sei gleich weiter gefahren, als sie die Polizeiautos gesehen hätten, berichtet sie weiter. Die Polizei wiegelt dem Bericht zufolge ab, vor dem Haus wären „Gleichgesinnte“ anwesend gewesen. Doch das wolle André Löscher von der Opferberatung Chemnitz, Hilfe für Betroffene rechtsextremer Gewalt, nicht so stehen lassen: „Ja, die rechtsextremen Gruppen sind am Samstag vor dem Treff gesehen worden. Um das Ärgste zu verhindern, haben die Jugendlichen Verstärkung aus ihren Reihen angefordert, die dann im Klub geweilt haben“, erklärt er dem Bericht zufolge.

Man wolle nun eventuell mit einem Benefizkonzert den Klub am Samstag eröffnen. „Die betroffenen Jugendlichen, die einen Freizeittreff für nicht rechte Jugendliche in Limbach schaffen wollen, sehen sich der Bedrohung schutzlos ausgeliefert. Oft ist es das gleiche Bild: Menschen, welche nach außen hin eine nicht rechte, alternative Meinung vertreten, leben mit dem Risiko, Ziel eines rechten Übergriffes zu werden.“

Aktionen – mit Hilfe der NPD

Auch Petra Zais vom mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus für den Regierungsbezirk Chemnitz mit Sitz in Neukirchen sagte dem Blatt, dass in Limbach-Oberfrohna rechtsextreme Kameradschaftsstrukturen nie verschwunden seien. Dafür stünden in den letzten Jahren die Skinheads Limbach 88. Ebenso sei der Club Eastside immer wieder ein Anziehungspunkt für Rechte, und es sei auch in der Vergangenheit zu rechten Aktionen von Gruppierungen um die NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler gekommen. „Ruhig ist es in der rechten Szene in Limbach-Oberfrohna wie auch in anderen Städten und Gemeinden in Sachsen nie gewesen“, so Zais. Sie hebt zugleich hervor, dass die Stadtverwaltung mit Ausstellungen und Angeboten für junge Leute stets viel gegen die rechte Szene getan habe.

Was fehlt noch? Genau, der Bürgermeister: Für diesen bestehe kein Grund zur Beunruhigung. „Übergriffe von Rechtsextremen sind uns nicht bekannt. Wir wissen, dass das Polizeirevier eine Ermittlungsgruppe gebildet hat, die über die Lage hinlänglich informiert ist.“ Auf den neuen Treff habe die Stadt keinen Einfluss, weil die Räume privat angemietet wurden. Als Stadtverwaltung habe man die Obhut über drei Jugendklubs: der Laberschuppen in Wolkenburg, das Jugendhaus Rußdorf und das Eastside an der Albert-Einstein-Straße in Limbach. „Gerüchtemäßig“ sei ihm bekannt, dass sich im Eastside vor allem rechtsgesinnte Jugendliche treffen würden. Also alles im Lot…

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