Hamburg: Anschläge auf türkische Geschäfte / Nachtrag 21. Oktober

Erst flogen Pflastersteine, zertrümmerten die Scheiben eines türkischen Reisebüros und eines türkischen Gemüsehändlers. Wenige Stunden später brannte die Auslage des Gemüsehandels lichterloh. Zwei Anschläge auf das Religions- und Kulturzentrum der Türkisch-Islamischen Union (Ditip) am Borstelmannsweg am Wochenende erschüttern die Türkische Gemeinde in Hamm, berichtet das Hamburger Abendblatt. Osman Kögce, seit fünf Monaten Inhaber des Gemüsehandels, sei sichtlich geschockt. Er ist dem Bericht zufolge davon überzeugt: „Das war ein Anschlag von Rechten.“ Seine Befürchtungen haben einen konkreten Hintergrund: Erst vor wenigen Wochen lagen gleich mehrere Briefe mit eindeutig rechtsextremen Inhalten im Briefkasten der Religions- und Kultureinrichtung. Der Staatsschutz ermittelt.

Zudem sagt Osman Kögce: „Die Scheiben vom Reisebüro wurden schon zum vierten Mal eingeschlagen.“ Auf den handschriftlichen Briefe, die ohne Absender, in Blanko-Briefumschlägen am 9. September im Briefkasten des Zentrums lagen, standen Parolen wie „Türken raus“ oder „In unserer Heimat wollen wir keine Türken“, heißt es in dem Bericht weiter. Auf einem anderen Brief sei gar von „Untermenschen“ und „islamischem Kopftuchgeschwader“ die Rede. Auch diesen Vorfall habe die Gemeinde zur Anzeige gebracht. Über den Stand der Ermittlungen und ob die Polizei einen Zusammenhang zwischen den Briefen und den Anschlägen des Wochenendes sehen, konnte die Polizei noch nichts sagen.

Solche Parolen tauchen aber des Öfteren im Stadtbild auf, im Norden Hamburgs klebten mehrmals kleine selbstgefertigte Aufkleber mit Hetze gegen schwarze Menschen, aber auch gegen Angela Merkel, die für die „Überfremdung“ verantwortlich sei.

Nachtrag 21. Oktober 2008: Die Polizei geht nicht von einem rassistischen Angriff aus, wie die Welt berichtet. Bei dem Briefeschreiber handelt es sich ganz offensichtlich um einen psychisch gestörten Verfasser. Er verschickt bereits seit rund acht Jahren solche Schreiben an zahlreiche Persönlichkeiten, darunter zahlreiche Politiker. So sind unter den Adressaten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Norbert Blüm. Bei der Polizei gehe man davon aus, dass hinter der Tat Aktivisten der verbotenen kurdischen Organisation PKK stecken. 

Siehe auch: Brandanschlag war offenbar vorgetäuscht, Hamburg: Rassist verprügelt Peruanerin auf S-Bahnhof Ohlsdorf, Rechtsradikaler greift Polizei mit Axt an, Ermittlungen gegen NPD-Chef Rieger wegen Körperverletzung, Rassistischer Angriff in der U-Bahn