Spekulationen über Riegers Kaufabsichten und Tietjens Erbe

Die angeblichen Kaufabsichten des Hamburger Neonazi-Anwalts und NPD-Funktionärs Jürgen Rieger sorgen erneut in Niedersachsen für Aufregung. Zudem wird erneut spekuliert, ob Rieger es nun ernst meint mit seinen Plänen. Und: Details über das Millionenerbe des Altnazis Wilhelm Tietjen werden bekannt.

Rieger handelt im aktuellen Fall wieder im Namen der in London registrierten Firma „Wilhelm–Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd.“. Sie ist benannt nach dem vermögenden Bremer Altnazi Wilhelm Tietjen, der Rieger im Jahre 2001 per handschriftlichem Testament zum Erben einsetzte. In diesem Testament wird Rieger nach Informationen von NDR Info zur „baldigen Gründung“ eines Institutes verpflichtet, dass die „Mehrung von Trägern elitärer Erbanlagen und die Einrichtung einer entsprechenden Spermabank“ zum Ziel hat. Rieger hatte in der Vergangenheit mehrfach von der „Aufzucht arischer, blonder Menschen“ gesprochen. Bislang gibt es aber nach vorliegenden Informationen noch kein Institut, des „“Samenbanker und Schädelvermessers”, wie NPD-interne Gegner Rieger bezeichneten.

Zweifel an Kaufabsichten

Rieger hat mit den Erben des heruntergekommenen Gasthofes den Informationen zufolge einen Kaufvertrag abgeschlossen. Der Kaufpreis für das 80 Betten-Haus liegt bei 1,2 Millionen Euro und damit knapp 200.000 Euro über dem Verkehrswert. Mit dem Abschluss des Kaufvertrages und der Hinterlegung einer Sicherheit von rund 90.000 Euro sorgte Rieger zugleich dafür, dass eine über das Grundstück eröffnete Zwangsversteigerung vorerst auf Eis gelegt wurde.
Experten bezweifeln allerdings die Ernsthaftigkeit von Riegers Kaufabsichten und gehen von einem „Immobilienpoker“ aus. Dessen Ziel sei es, den Preis für die marode Immobilie künstlich in die Höhe zu treiben, um den Mehrerlös mit dem Verkäufer zu teilen. Ein Indiz dafür sei die Tatsache, dass Rieger das Gebäude bereits am Freitag in der Zwangsversteigerung vor dem Celler Amtsgericht für 750.000 Euro hätte erwerben können. Nach den jetzt vorliegenden Plänen müsste „der als geizig geltende Rieger“ weit mehr bezahlen, heißt es weiter.

Ein weiterer Hinweis darauf ist die offenkundig mangelhafte Recherche des Hamburger Anwalts. Rieger hat nämlich übersehen, dass die Gemeinde Faßberg nach wie vor eine Trumpfkarte in Händen hält, die Riegers Pläne zunichte machen könnte: das kommunale Vorkaufsrecht. Das Vorkaufsrecht gibt der Gemeinde die Möglichkeit, selbst in den Kaufvertrag einzutreten. Sie könnte Rieger dann die Immobilie vor der Nase wegschnappen, müsste dann allerdings den vollen Kaufpreis aus der kommunalen Kasse zahlen. Rieger geht davon aus, dass dieses Vorkaufsrecht nicht besteht, da es nicht im Grundbuch vermerkt ist – ein offenkundiger Irrtum, wie Experten aus Land und Kreis bestätigen.

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