Niedersachsen: Hotel “Rieger” in Celle?

Der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger hat gestern einen Kaufvertrag über ein 42-Zimmer- Hotel in der Gemeinde Fassberg im Landkreis Celle unterschrieben. Nach eigener Aussage will Rieger das „Landhaus Gerhus“ als Hotel fortführen und es außerdem als Schulungs- und Begegnungsstätte für Rechtsextremisten nutzen. Das rund drei Hektar große Grundstück biete außerdem genügend Platz für NPD-Parteitage in einem Großzelt, sagte Rieger.

Das Hotel stand am 17. Oktober 2008 zur Zwangsversteigerung. Hauptgläubiger ist eine Bank in Hannover. Rieger hatte am gleichen Tag beim Amtsgericht Celle eine Sicherheitszahlung von rund 95.000 Euro hinterlegt und so dafür gesorgt, dass die Zwangsversteigerung vorerst verschoben wurde. Der Neonazi-Anwalt will sich außergerichtlich mit den Eigentümern des Gasthauses, einer Erbengemeinschaft, über den Verkauf einigen.

Zweifel an Kaufabsichten

Ob es tatsächlich zu einem Verkauf an Rieger – er ist Bundesvorstandmitglied der rechtsextremen NPD und deren Landesvorsitzender in Hamburg – kommen wird, ist indes fraglich, denn die Gemeinde hatte sich per Satzung ein Vorkaufsrecht für das Grundstück verschafft. Jetzt hat die 7000-Einwohner Gemeinde zwei Monate Zeit zu erklären, ob sie das Gasthaus zum Verkehrswert von rund einer Million Euro erwirbt. Der Bürgermeister von Fassberg sieht die Kommune jetzt in einer „Zwangslage“.

Experten warnen allerdings davor, dass der in Immobilenfragen versierte Rieger möglicherweise keine ernsthaften Kaufabsichten hat, sondern stattdessen in Fassberg versuchen könnte, den Preis für eine minderwertige Immobilie künstlich in die Höhe zu treiben, um sich den Mehrerlös mit dem Verkäufer zu teilen.

Warum sollte Rieger mehr zahlen?

Rieger, der untere anderem in Niedersachsen diverse Häuser besitzt, hatte nach Informationen von NDRInfo bei ernsthaften Verkaufsgesprächen regelmäßig Strohmänner zur Tarnung eingesetzt. Ein weiterer Hinweis auf ein inszeniertes Täuschungsmanöver ist der Umstand, dass die Immobilie in der Zwangsersteigerung am 17. Oktober 2008 für rund 750.000 Euro zu haben gewesen wäre. Sollte Rieger den jetzt abgeschlossenen Vertrag tatsächlich erfüllen wollen, müsste er eine deutlich höhere Summe zahlen.

Vor zwei Jahren hatte Rieger in Delmenhorst Schlagzielen gemacht, als er vorgab, das dortige Hotel am Stadtpark erwerben zu wollen. Bis heute ist unklar, ob der Rechtsextremist vorhatte, das Hotel zu kaufen. Ebenso unklar ist, ob er tatsächlich über die nötigen Geldmittel verfügte.

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