Digitale Bohème war gestern: Heute sind die “Medienextremisten”

Nachdem im vergangenen Monat der Titel „SS-Satantistenschwein“ alles bislang dagewesende in den Schatten stellte, hat sich nun die NPD wieder ein paar lustige Sachen ausgedacht. In einem größtenteils unverständlichen Artikel über die Berichterstattung nach einen Brandanschlag in Sachsen versucht die NPD Niederschlesien einmal mehr, die fiesen Machenschaften der Medien aufzudecken.

Von Patrick Gensing

Dabei schreiben die Rechtsextremisten von „Medienextremisten“ – und auch meine Lohnarbeit muss endlich mal wieder thematisiert werden – was auch immer das mit der Sache an sich und diesem Blog im Speziellen zu tun hat.

Aber von vorne:

Die Meinungsmanipulation kennt keine Grenzen. Nachrichten werden heute mit großen Lettern nicht nur in der Zeitung verbreitet: Sensationshaschend finden diese von Medienextremisten verbreiteten Darstellungen mittels Rundfunk und digitaler Technik in der schnelläufigen Zeit weite Verbreitung.

Jaja, die Zeiten sind wirklich schlecht. Jetzt werden Nachrichten sogar schon per Rundfunk verbreitet – und dann auch noch dieses Internet. Einfach schlimm! Besonders wenn man bedenkt, dass auch dieses Geschreibsel der Neonazi-Partei durch freundliche Unterstützung von Google News zur „Nachricht“ gekürt wurde und weltweit angeboten wird. Daneben empfiehlt die NPD übrigens dann gleich ein Buch über die Wahrheit über Rudolf Heß (siehe auch: Dummköpfe).

Heß kommt in dem Artikel selbst allerdings nicht vor – dafür aber meine Person. Aber nicht,  weil ich auch schon mal nach Großbritannien geflogen bin, sondern weil ich es gewagt hatte, eine Meldung der Sächsischen Zeitung bei NPD-BLOG.INFO zu veröffentlichen. Im Folgenden wirft mir die NPD vor, dass ich den Ort des Geschehens nicht kenne – was durchaus stimmt. Denn leider verfüge selbst ich nicht über die Ressourcen, um jeden hier erwähnten Ort bereisen zu können, bevor eine Meldung in diesem Blog veröffentlicht wird. Wäre es so, hätte ich mir sicherlich auch nicht Neonazis als Thema ausgesucht, sondern würde ein Blog über Meeresschildkröten in der Karibik betreiben. Aber zurück zur NPD:

Der für „tagesschau.de” sowie das Politmagazin „Panorama” arbeitende Redakteur und Autor Patrick Gensing wußte auf der von ihm betriebenen Anti-NPD Internetseite zu berichten: Unbekannte hätten aus einem Auto heraus zwei brennende Flaschen gegen das Gebäude geworfen”, und läßt im gleichen Beitrag noch die „Kritik” einer linksextremistischen Internetseite einfließen, was weder den über die Rundfunkgebühren mitfinanzierten Patrick Gensing noch seine Meinungsbekundungen und erst recht nicht die linksextreme Internetseite glaubwürdiger macht.  

Offenbar ein Teufelskreis: Die Kritik einer linksextremistischen Internetseite macht mich weniger glaubwürdig, was laut NPD gleichzeitig wiederum die Glaubwürdigkeit der linksextremen Internetseite weiter in den Keller zieht. Und so weiter, und so fort. Dass ich aber „über die Rundfunkgebühren mitfinanziert“ bin, lasse ich mir bald auf ein T-Shirt, Verzeihung T-Hemd, drucken. Übrigens habe ich am vergangenen Wochenende mit Freunden darüber gerätselt, wie eigentlich Pullover politisch korrekt genannt werden. Oberkörpertextilbekleidungsstück?

So, und hier noch einmal die Meldung, um die es ging:

Bereits am 13. September 2008 ist laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung Online auf das Asylbewerberheim in Oppach (Landkreis Görlitz) ein Brandanschlag verübt worden. Unbekannte hätten aus einem Auto heraus zwei brennende Flaschen gegen das Gebäude geworfen. Die vermutlich mit Benzin gefüllten Brandsätze erloschen, ohne großen Schaden anzurichten. Menschen seien nicht verletzt worden. Staatsschutz und Kriminalpolizei ermitteln. Indymedia kritisiert, die Öffentlichkeit habe diesen Anschlag kaum zur Kenntnis genommen.

Übrigens, liebe NPD Niederschlesien, in den Zeilen zu dem Brandanschlag steht nicht EIN Wort von ausländerfeindlich oder rassistisch. Wenn Sie aber über weitergehende Informationen verfügen – der Quellenschutz ist Ihnen hiermit zugesichert.

Siehe auch: Sachsen: Brandanschlag auf Flüchtlingsheim, In eigener Sache: SS-Satanistenschwein, In eigener Sache: Solidarität mit dem Monarchisten Martin Möller!, In eigener Sache: Gesnings Lebensstil

4 thoughts on “Digitale Bohème war gestern: Heute sind die “Medienextremisten”

  1. Offensichtlich sucht die NPD nach einem negativen Begriff, den die Öffentlichkeit übernehmen würde um ihn dann in der MdG zu verankern. Da dieses Vorhaben von der Öffentlichkeit scheinbar strikt abgelehnt wird, versucht sich die NPD in immer abstrakteren Wortkonstruktionen.

    Kleiner Tipp an die NPD: Um eine Person auf diese Weise in der Öffentlichkeit negativ darzustellen, muss die Öffentlichkeit bereits eine negative Einstellung zu dieser Person haben. Dies ist bei Herrn Gensing ganz sicher nicht der Fall.
    Mit anderen Worten: Ihr könnt bis zum Sankt Nimmerleinstag weitersuchen!

  2. Bei dem ersten Zitat „Die Meinungsmanipulation kennt keine Grenzen…. usw.“ scheint man bemerkenswert offen zu bekennen, was „Deutsche Stimme“ der NPD und das Nazi-Altermedia-Internet verbreiten. Warum nicht ein Lob dafür? Den Rundfunk hat übrigens seinerzeit schon der österreichische „Medienextremist“ und spätere Steuerhinterzieher Adolf H. gern genutzt.
    Und ein Pullover wäre in korrektem Arier-Deutsch ein Überzieher (engl.: to pull over).
    Apropos: Die NPD fühlt sich bei Brandanschlägen gewohnheitsmäßig angesprochen. Denn trotz aller „kirmineller Ausländerbanden“ scheint dies eine rein deutsches Freizeitvergnügen zu sein. Und für Deutsche fühlt man sich als „Heimatpartei“ penetrant zuständig.

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