Herbstlicher Streit um Sonnenbrillen: NPD und “Autonome Nationalisten” marschieren getrennt

Laut Medienberichten sind am 03. Oktober 2008 etwa 400 Rechtsextremisten durch Stralsund gezogen. Polizeiangaben zufolge protestierten etwa 100 Menschen gegen den Aufmarsch. Den Berichten zufolge gab es zwei Demonstrationszüge der Rechtsextremisten: Rund 300 Anhänger der NPD bildeten des ersten, 80 bis 100 „Autonome Nationalisten“ einen zweiten. Dies habe die Polizei als nicht genehmigte Versammlung gewertet. Die Teilnehmer seien deshalb nach „einer kleinen Runde durch die Stadt“ wieder zum Bahnhof geleitet worden, hieß es.

In einer Erklärung, die auf Neonazi-Seiten veröffentlicht wurde, nahmen die „Autonomen Nationalisten“ zu der Spaltung auf der Demonstration Stellung. Darin heißt es:

Es wurden die Auflagen verlesen, woraufhin die Autonomen Nationalisten aufgefordert wurden, ihre Kapuze und Sonnenbrille abzunehmen, ansonsten würde man diejenigen von der Versammlung ausschließen. Dieser Forderung kam man natürlich nicht nach. Dass man Kapuzen trug, ist dem Wetter geschuldet und das Aktivisten Sonnenbrillen tragen, um sich vor Feindaktivisten oder der Feindpresse zu schützen ist auch keine Erfindung der Autonomen Nationalisten. Man kam der Forderung also nicht nach. Der Versammlungsleiter schloss daraufhin alle AN’s von der Demo aus.

Damit manifestiert sich die Spaltung zwischen NPD und „Autonomen Nationalisten“ weiter. In der Erklärung heißt es dazu:

Dass die NPD unserer Bewegung gegenüber nicht so aufgeschlossen ist, wie sie es sein sollte, ist hinlänglich bekannt. Dass sie diese nun von ihrer Veranstaltung ausschliesst, weil ein Teil dieser Bewegung ihre Brillen nicht abnimmt, ist schlichtweg unfassbar! […] Durch ihr [gemeint ist die NPD, PG] Handeln trägt sie dazu bei, das beide Lager weiter auseinander fallen. Das ist sicherlich alles andere als förderlich und liegt von daher auch nicht in unserem Interesse! Für uns war dieses Ereignis ein klares Zeichen: die NPD will uns nicht haben und kann anscheinend auf die Autonomen Nationalisten verzichten. […] Wenn man aber auf eine derartige Ablehnung stoßt, versteht man sie und zieht seine Konsequenzen daraus. Und die einzige Konsequenz die wir daraus ziehen ist, dass die Partei uns vorerst am Arsch vorbei geht, genauso wie wir ihnen auch am Arsch vorbei gehen.

Ob die rechtsextreme Bewegung durch diesen Streit um Sonnenbrillen groß geschwächt wird, darf bezweifelt werden. Denn die Kräfte verschieben sich nur innerhalb der Bewegung. Es zeichnet sich weiter ein Trend weg von parteiförmigen hin zu netzwerkartigen Organisationen ab. Dieser schwächt die NPD teilweise, der Einfluss von Neonazi-Banden wächst aber gleichzeitig.

Siehe auch: Debatte: Brutalisierung und Modernisierung bei Neonazis?, Die NPD zwischen Pragmatismus und Propaganda, Hintergrund: Die “Autonomen Nationalisten”“Neonazis geraten außer Kontrolle”, Dokumentation: Gewalt gegen die “Judenpresse”, Dresden: Neonazis treten auf Journalisten ein, Hamburg: Ausschreitungen am 01. Mai mit politischem Nachspiel, DJV begrüßt Ermittlungen / Neue Drohungen gegen Journalisten und Politiker, Brutalisierung als bundesweiter Trend, “Autonome Nationalisten”: Neues Outfit, alter Hass, Ein Schritt vor, zwei zurück, drei vor: NPD distanziert sich mal wieder vom “Schwarzen Block”, Lynchmob 2.0