Historikerkommission weist bislang 18.000 Tote durch Bombardierung Dresdens nach

Neonazis marschieren alljährlich in Dresden auf, um der „hunderttausenden Toten des anglo-amerikanischen Terrorangriffs“ (NPD-Pressemitteilung) im Februar 1945 zu gedenken. Der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel sorgte in diesem Zusammenhang mit dem Begriff „Bomben-Holocaust“ für Schlagzeilen, der einen Holocaust an den Deutschen suggerieren soll. Ein Mosaikstein in dem Wahn, die Deutschen als eigentliche Opfer des 2. Weltkriegs zu etablieren – und gleichzeitig die Vernichtungsfabriken und den industriellen Massenmord zu relativieren.

Nun legte eine Historikerkommission, eingesetzt von der Stadt Dresden, einen Zwischenbericht vor. Demnach gab es nicht hunderttausende Todesopfer. Laut Medienberichten kamen maximal 25.000 Menschen ums Leben. Bisher konnten den Historikern zufolge rund 18.000 Todesopfer nachgewiesen werden. Allerdings gebe es noch widersprüchliche Angaben in Friedhofsakten. Im Jahr 2010 soll der endgültige Bericht vorgelegt werden

Die Kommission war 2004 einberufen worden, da es immer wieder Streit um die Zahl der Todesopfer gegeben hatte. Seriöse Geschichtswissenschaftler sprachen schon länger von 25.000 bis 35.000 Opfern, Rechtsextremisten hauten hingegen Behauptungen heraus, wonach es bis zu 250.000 Tote gegeben habe. Auch die Nazis hatten bereits entsprechende Zahlen verbreitet, obwohl direkt nach dem Angriff von Seiten der Stadtverwaltung von etwa 25.000 Toten die Rede war.

Die Historiker untersuchten den Berichten zufolge auch, ob Tiefflieger die Einwohner gezielt unter Beschuss genommen hätten. Dafür wurden Angaben von mehr als 250 Zeugen analysiert und angegebene Schauplätze untersucht – beispielsweise nach Munition. Dem Bericht zufolge gab es „keine schlüssigen Belege für systematischen Bordwaffenbeschuss“. Möglicherweise seien Luftkämpfe als Tieffliegerangriffe wahrgenommen worden, hieß es.

Den Rechtsextremisten wird es egal sein, sie werden an ihren Zahlen festhalten, genau wie an der Behauptung, Rudolf Heß sei ermordet worden.

Siehe auch: Militärgeistlicher: “Heß nannte Neonazis immer wieder Dummköpfe”, Interne Broschüre nicht gelesen? Die NPD und die “Kriegsschuldlüge”, Gedenken in Dresden: Rechtsextreme vergraulen jüdische Gemeinde, NPD in den Landtagen: Der Unterschied zwischen auf- und durchdrehen