Nazis planen “Zentrum des Widerstandes” im Fichtelgebirge

Rund sechs Wochen nachdem bekannt wurde, dass der Hamburger Neonazi Jürgen Rieger einen Gasthof im Fichtelgebirgsort Warmensteinach kaufen will, liegt der Gemeinde ein notarieller Kaufvertrag vor. Rieger, der schon länger auf der Suche nach einer Immobilie für ein „Heß-Gedächtniszentrum“ ist, hat nun den Kaufvertrag für den Gebäudekomplex mit einem Saal, rund 60 Betten und einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück unterschrieben.

Für Riegers Zwecke bietet sich der Ort im Kreis Bayreuth besonders durch die Nähe zum Grab des Hitler Stellvertreters Rudolf Heß in Wunsiedel an. Nachdem in Warmnensteinach eine für den August angekündigte Gedenkveranstalung für Heß verboten worden war, kündigen Neofaschisten für den 27. September 2008 erneut eine „Saalveranstaltung“ in dem Gasthof an. Unter dem Motto „Gegen Überfremdung und Volkstod“ sollen neben Rieger der NPD-Kader Norman Bordin sowie der stellvertretende Vorsitzende der NPD Bayern, Uwe Meenen, sprechen.

„Siedlungsprojekt für nationale Familien“

Rieger hingegen hegt bereits weitergehende Pläne für das Anwesen. Ähnlich wie bei seinem in den 90er Jahren gescheiterten Vorhaben in Südwestschweden will er aus dem fränkischem Anwesen ein „Siedlungsprojekt für nationale Familien“ machen. Nach dem Beispiel der „Reichsheimstätten“ liefen schon Gespräche über den Bau von „schlüsselfertigen Eigenheimen“ auf dem Grundstück in Warmensteinach. Weitere Details will Rieger am 27. September 2008 präsentieren und lädt „die Bevölkerung des Ortes zu den Veranstaltungen“ ein.

Ob die Bewohner der Einladung nachkommen, ist hingegen unwahrscheinlich. Die Gemeinde hatte bereits angekündigt, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Verkauf des traditionellen Gasthofes an Rieger, der auch Vorsitzender der Hamburger NPD ist, zu verhindern. So hatte sie sich durch die Ausweisung eines Sanierungsgebietes das Vorkaufsrecht für die Immobilie gesichert. Um von diesem Recht Gebrauch zu machen, bleibt der Gemeinde noch bis Anfang November Zeit. Weitere Sorgen bereitet den Kommunalpolitikern die Finanzierung: laut Notarvertrag liegt der Kaufpreis bei 1,8 Millionen Euro, das ist etwa dreimal soviel wie der geschätzte Verkehrswert des Gasthofes.

Hilfe beim Ministerpräsidenten angefragt

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk, bat laut einem Bericht des Coburger Tageblatts mittlerweile Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) um Unterstützung der finanzschwachen Gemeinde, damit diese ihr Vorkaufsrecht nutzen kann. Die bayerische Staatsregierung deutete demnach ihre Hilfe an. Beckstein habe sich der Sache angenommen, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei. Eine Lösung sei „auf gutem Weg“.

Aufruf zu Demonstration

Das Bündnis „Buntes Warmensteinach“ rief dem Blatt zufolge zu einer Demonstration gegen den geplanten Aufmarsch im Saal des Gasthauses auf, die beiden Kirchen zu einem ökumenischen Lichtergottesdienst im Kurpark.

Dank an Kai Budler!

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8 thoughts on “Nazis planen “Zentrum des Widerstandes” im Fichtelgebirge

  1. zwischenzeitlich hatte sich ja herumgesprochen, daß die immobilienkaufabsichten der npd in aller regel nur miese tricks zur parteifinanzierung sind. es ist anzunehmen, daß sich künftig betroffene gemeinden nicht mehr so einfach ins bockshorn jagen lassen. ob es vielleicht sein könnte, daß die nazis jetzt einfach den einsatz bei diesem pokerspiel erhöhen? sprich: man kündigt einen immobilienkauf nicht mehr nur einfach an, sondern legt einen unterschriebenen kaufvertrag vor und vertraut darauf, daß unter diesem eindruck die gemeinde doch noch ihr vorkaufsrecht nutzt und die nazis so doch noch zu „ihrer“ provision kommen.

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