Sachsen: Mehrheit für NPD-Antrag im Dresdner Stadtrat

Im Dresdner Stadtrat hat es am 11. September 2008 eine Mehrheit für einen Antrag des „Nationalen Bündnisses“ gegeben. Das NB wird maßgeblich von der NPD beeinflusst. Die völkische Partei feierte denn auch die Tatsache, dass Teile der CDU- und Linksfraktion für ihren Antrag gestimmt hatten. In der Tat eine Premiere, die laut Lausitzer Rundschau für Kritik sorgt.  „Dies ist ein Rückschlag für das überparteiliche Engagement gegen den Rechtsextremismus“, sagte demnach die Fraktionschefin der Grünen im Landtag, Antje Hermenau. Ihr Amtskollege von den Linken, André Hahn, sah „dringenden Klärungsbedarf“. „Dass Kommunalpolitiker den Rechtsextremisten auf den Leim gehen, ist in Sachsen offenbar nicht nur ein Problem des ländlichen Raums, sondern auch in der Landeshauptstadt“, betonte Hermenau zudem.

„Themen vollkommen belanglos“

„Welche konkreten Themen sich Nazis aussuchen, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verschleiern, ist völlig belanglos“, argumentierte Hahn laut Sächsischer Zeitung. Bei den Linken gebe es eine klare Position: Mit der NPD und von ihr getragenen Fraktionen gebe es keinerlei Formen einer politischen Zusammenarbeit, also auch keine Zustimmung zu Anträgen.

Hahn thematisiert hier richtigerweise einen ungewöhnlichen Vorgang, denn das NB hatte eine Schweigeminute für die Opfer des 11. September 2001 beantragt. Normalerweise feixen sich Neonazis über die Anschläge einen und weiden sich an Verschwörungstheorien, die besonders im Internet weite Verbeitung finden (aber nicht nur da, auch das ZDF springt auf diesen Zug auf…). Dies zeigt: Für die NPD ist es vollkommen unerheblich, auf welches Thema sie setzt. Ihr geht es ausschließlich darum, für Provokation und Streit zu sorgen. Dies spricht für die Strategie, die Anträge der Rechtsextremisten einfach abzulehnen – sie sind inhaltlich vollkommen substanzlos. Denn in ihrem Versandkatalog bietet die NPD alles zum Thema Verschwörungstheorien rund um 09/11 an. Oder aber die NPD argumentiert jetzt, man habe der Opfer von 09/11 gedenken wollen, als Opfer des amerikanischen Staatsterrorismus…

CIA, Mossad, Freimaurer… Stasi?

Die Verschwöungstheorien besagen nämlich, CIA und/oder Mossad (oder die Freimaurer oder wer auch immer) hätten die Anschläge vom 11. September 2001 inszeniert, um einen Vorwand für den Krieg gegen den Terror zu haben. Immer wieder wurde behauptet, jüdische Personen seien vor den Anschlägen gewarnt worden, usw. Beweise gegen diese Theorien werden als Beweise dafür gedeutet, dies zeige nur, wie groß die Verschwörung sei.

Dieser Schwachsinn ist aber keinesfalls nur bei Rechtsextremisten beliebt, auch viele Leute, die sich als links verstehen, haben offenbar ein ausgeprägtes Verlangen, ihr Weltbild mit solchen Räuberpistolen zu untermauern. Ein Beispiel für diese Verschwörungstheorien, die auch noch als vermeintlich kritisches Rebellentum verpackt werden, hat die Hiphop-Band „Die Bandbreite“ mit ihrem Lied „Selbst gemacht“ im Jahr 2007 veröffentlicht. Darin geht es eben um den 11. September. Aber auch zum Thema 2. Weltkrieg haben die selbsternannten Aufklärer aus Duisburg (nicht Oberhausenm danke!) mit den Quellen Internet und DVD-Player etwas zu bieten:

ein anderes Unterfangen dat war ziemlich makaber,
eigne Leute geopfert im Massaker von Pearl Harbor,
ja die bösen Japaner, die euch nur dabei halfen,
endlich mit in den zweiten Weltkrieg einzugreifen… 

Wie war das noch einmal? Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen. Genausowenig werden die Deutschen es den „kulturlosen“ Amerikanern offenbar nie verzeihen können, dass sie mit den Alliierten Europa von der Nazi-Barbarei befreien mussten.

Siehe auch: Verschwörungtheorien: Beliebt bei Rechten und Linken, Infokrieg.TV mit einer Analyse Screw Loose Change 911reseach Wikipedia über die neue Version Eine Analyse über Loose Change Die offizielle Homepage Loose Change 2nd Edition im Internet, Aufklärung gegen Antisemitismus: `Schwer, aber nicht aussichtslos`, 09/11, ZOG und “Judenpresse”: Wie baue ich eine Verschwörungstheorie?, Die Kontakte zwischen Neonazis und Islamisten