Berlin: NPD-Funktionäre angegriffen

Die Attacken auf NPD-Funktionäre gehen weiter. Nach Brandanschlägen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf Autos von Rechtsextremisten, wurden nun drei NPD-Funktionäre attackiert. Wie allerdings in den zuvor erwähnten Fällen – in Brandenburg sprach die NPD sofort von einem Mordanschlag – liegen auch jetzt recht unterschiedliche Angaben vor. Die NPD schreibt auf ihrer Website (Schreibweise unverändert):

Die NPD Fraktionsvorsitzende Manuela Tönhardt, eine Kameradin und ein Kamerad wollten an dieser Veranstaltung teilnehmen. Gegen 18.10 Uhr trafen sie in der Boddinstraße ein und wurden von 3 kreischenden Antifaschistinnen wahrgenommen. Polizei war vor Ort, griff aber nicht ein und gab auf Anfrage auch keine nähere Auskunft zur Örtlichkeit. Die drei bewegten sich zunächst in die falsche Richtung. Als sie dieses erkannten und sich umdrehten, hatte sich hinter ihnen eine schreiende und grölende Meute von ca. 30 Autonomen eingefunden, die über die ganze Straße verteilt, ein Weiterkommen unmöglich machten. Der Chor grölte „Nazis Raus“, „Scheiß Nazis, verpißt euch“, „Verprügelt sie, die Nazis“. Es wurde ein Halbkreis um die Drei gebildet. Dann prasselten von allen Seiten Tritte und Schläge auf die beiden Kameradinnen und den Kameraden ein. Fahrräder wurden in die Hand genommen und damit geschlagen. Stühle wurden auf die Rücken geprügelt. Es folgten Fußtritte und Schläge. Die Drei wurden bespuckt und hysterisch beschimpft.
Frau Tönhardt rief viermal den Notruf 110 an, ohne Erfolg. Der Lärm durch das Handy muss allerdings für die Beamten am anderen Ende wahrnehmbar gewesen sein. Dem Kameraden wurden die Kleider vom Leib gefetzt. Er ging unter den Schlägen mit nacktem Oberkörper zu Boden. Der Kameradin wurden Lederjacke und Thorhammer entrissen. Frau Tönhardt fiel nach einem massiven Tritt und Schlägen auf die Straße und zog sich Verletzungen zu. Ihre Brille ging zu Bruch. Bemerkenswert war, daß die ganze Zeit des massiven Angriffes ein Polizeiwagen auf Sichtweite entfernt stand und die Beamten dem kriminellen Treiben tatenlos zuschauten, indes die Drei um Ihr Leben fürchteten.

Es grenzt an ein Wunder, daß die massiven Attacken nach ca. einer Viertelstunde eingestellt wurden und der Weg zur Hauptstraße frei war, wohin sie sich retten konnten. Sie erstatteten sofort Anzeige im Neuköllner Polizeiabschnitt. Die Kripo wurde hinzugezogen und der Staatsschutz ermittelt. Frau Tönhardt wird den Vorgang in die Hände ihres Anwaltes legen und Strafanzeige erstatten.

Bei der Polizei Berlin heißt es hingegen etwas weniger dramatisch:

Drei NPD-Angehörige wurden gestern Abend daran gehindert eine Veranstaltung ihrer Partei in Neukölln zu besuchen. Rund 400 Meter vor dem Veranstaltungsort in der Boddinstraße trafen gegen 18 Uhr 30 die 56-jährige NPD-Funktionärin, eine 52-jährige und ein 34-jähriger Begleiter auf eine Gruppe von etwa sechs Personen. Die drei wurden von mehreren dieser Personen beleidigt und tätlich angegriffen. Nach Angaben der Angegriffenen soll die Gruppe während des Vorfalles zwischenzeitlich auf etwa 20 Personen angewachsen sein. Nach der Tat flüchteten die Angreifer in unterschiedliche Richtungen. Die drei Opfer wurden bei den Attacken leicht verletzt und begaben sich selbst in ärztliche Behandlung.

Und bei Indymedia heißt es:

Bereits bei der Anreise zu der Veranstaltung wurden laut unterschiedlichen Berichten die Neonazis direkt mit antifaschistischem Protest konfrontiert. Eine körperliche Auseinandersetzung im Boddin-Kiez endete mit mehreren verletzten Rechten, die „zusammengeschlagen und ausgeraubt“ wurden (Zitat: Stella Hähnel NPD/ RNF). Passant_innen berichteten von flüchtenden Neonazis auf der Karl-Marx-Straße. Weitere zehn NPDler, die mit dem Bus aus Richtung Treptow kamen, wurden von 15 Bullen in einem Wanderkessel durch den Kiez geschleust und mussten sich dem lautstarken Unmut der Neuköllner Bevölkerung aussetzen. Weitere Neonazis gingen offenbar auf dem Hinweg ganz verloren. Jedenfalls hieß es zu Beginn der NPD-Veranstaltung, dass noch Kameraden vermisst würden. Diese tauchten auch später nicht mehr auf.  

Siehe auch: MVP: Brandanschlag auf Auto von NPD-Funktionären, Angeblich “Mordanschlag” auf NPD-Funktionär / Bekennerschreiben wird geprüft, Brandanschlag war offenbar vorgetäuscht