Bilder gegen Nationalsozialismus und Terror – “In Arsen getauchter Pinsel”

Der blick nach rechts berichtet in der Ausgabe 19/2008 über eine Ausstellung in Berlin, dort werden im Bilder von Arthur Szyk gezeigt. Mit freundlicher Genehmigung des bnr veröffentlicht NPD-BLOG.INFO diesen Beitrag von Theo Meier-Ewert. Die gesamte Ausgabe des bnr kann hier bestellt werden.

Diese Ausstellung ist ein Ereignis. Denn sie stellt erstmals in Deutschland, dem Land, das zu seinem Lebensthema wurde, einen bildgewaltigen politischen Künstler vor, der hier völlig unbekannt ist, jedoch in den USA während des Zweiten Weltkrieges ein einflussreicher und wirkungsmächtiger Zeichner und Karikaturist war, dessen Werk von den führenden Zeitungen und Magazinen millionenfach verbreitet wurde.

Arthur Szyk (1894 –1951), in Lodz im damaligen Russischpolen geboren und in den zwanziger und dreißiger Jahren in Paris lebend, verstand sich als polnischer Patriot, zionistisch geprägter gläubiger Jude und politischer Künstler. Er begann als Illustrator bibliophiler Bücher, vielfach mit jüdischen Themen und Szenen, die er – geschult an mittelalterlicher Buchmalerei wie an der Grafik Dürers und seiner Zeitgenossen – in altmeisterlicher Manier, mit unglaublicher Akkuratesse und Detailgenauigkeit, ja Detailversessenheit, ausmalte.

Doch NS-Deutschland und die wachsende Diskriminierung und Verfolgung der Juden wurde für ihn früh zu einem Thema, auf das er dann, 1940 von London nach New York übergesiedelt, während des Krieges seine ganze künstlerische Kraft verwandte. „Nein, ich bin kein Künstler. Ich bin Soldat. Meine Arbeiten sind mir nur Mittel zum Zweck. Mein Zweck ist Kampf. Mein Kampf gilt nicht nur Hitler, sondern einem Deutschland, das ihn ermöglichte. Rache ist meine Aufgabe. Ich will, dass unsere Toten gesühnt werden.“

Dieses Bekenntnis in der deutschsprachigen jüdischen Zeitung „Aufbau“ vom 13. März 1943, im gleichen Jahr wird Arthur Szyks Mutter aus dem Ghetto Lodz in das Vernichtungslager Chelmno transportiert, formuliert auch ein Programm, das die Ausstellung in einer umfassenden und charakteristischen Auswahl vorstellt. 1000 Blätter sind überliefert, 352 Exponate werden gezeigt. Auf das biographisch-künstlerische Einleitungskapitel folgen drei Hauptabschnitte: Die Entlarvung des politischen Führungspersonals der Achsenmächte, an dem Szyk sich immer wieder abarbeitet (vor allem Hitler, den er schon 1935 als Wolf im Schafspelz zeigt, außerdem Himmler, Göring und Goebbels, Mussolini und der japanischen Kaiser Hirohito, dazu Pétain, Franco und andere Verbündete), die Kommentierung des Kriegsverlaufs und schließlich die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden.

In einem Epilog werden die politischen Themen vorgestellt, die Szyk in seinen letzten Lebensjahre beschäftigt haben: die jüdische Einwanderung nach Palästina mit der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 sowie die USA, für ihn das Wirklichkeit gewordene Ideal einer toleranten, freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, deren Schattenseiten er gleichwohl kritisiert. 1951 wird Arthur Syk im Gefolge der Untersuchungen von Mc Carthy „unamerikanischer“ Umtriebe und der Mitgliedschaft in kommunistischen Organisationen verdächtigt, Vorwürfen, denen er widerspricht. Wenige Monate später, am 13. September, stirbt er an einem Herzanfall.

Zeitgenossen haben ihn mit Goya, Hogarth und Daumier verglichen. Die Intensität der Auseinandersetzung mit den Geschehnissen, die grimmige und hellsichtige Bloßstellung und Entlarvung der politischen Führungsfiguren des NS-Regimes und seiner Anhänger „mit einem in Arsen getauchten Pinsel“ und „einer Feder, die die kräftigen Striche des Zornes zu formen weiß“, so formuliert treffend eine Zeitschrift im Jahre 1942, legen diesen Vergleich durchaus nahe. Die Farbigkeit, der Detailreichtum und die Präzision, die vielen oft in winziger Schrift eingestreuten Parolen, Texte und Zeichen aus dem Fundus der NS-Zeit, zwingen den Betrachter förmlich zum genauen Entziffern dieser Bildwelt und ihrer zahlreichen Botschaften. Ermöglicht und erleichtert wird dies durch den großformatigen und vorzüglich gedruckten, deutsch-englischen Katalog, der gründlich über den zeitgeschichtlichen Kontext informiert.