Ungarn: Angeblich Ausbildungslager für Neonazi-Straßenkämpfer

Eine „geheimnisvolle“ Ausbildungsbasis für „Straßenkämpfer“ soll laut einem Bericht des Standards an der Grenze der Budapest nahen Ortschaft Budakeszi entstanden sein. Die Zeitung bezieht sich auf einen Bericht der ungarischen Tageszeitung „Nepszava“ vom 10. September 2008. Auf von einem „undurchsichtigen Zaun“ umgebenen Privatgelände seien Beobachtungsstände, aus Autoreifen errichtete Kugelfang-Mauern zu sehen, heißt es demnach. Hier würden „geheimnisvolle Unbekannte“ regelmäßige Schießübungen mit nicht verbotenen Kunststoffgeschoßen durchführen.Anrainer halten den „Privatschießplatz“ für eine Ausbildungsbasis von Neonazis, Mitgliedern der rechtsextremen „Ungarischen Garde“ und von „Straßenkämpfern“. Wie ein pensionierter Militärexperte in dem Blatt erklärte, würden die „Kämpfer“ auf der Basis für den physischen und bewaffneten Nahkampf sowie auf Angriff und Verteidigung in städtischer Umgebung vorbereitet.

Randale in Budapest

In Budapest hatten sich am ungarischen Nationalfeiertag Rechtsextremisten am 15. März 2008 Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Nach Medienberichten bewarfen die Randalierer die Polizei mit Brandsätzen, mindestens 21 Menschen wurden festgenommen. Drei Polizisten wurden leicht verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge von Brandsätzen getroffen. Einige hundert Demonstranten mit Kapuzen und schwarzer Kleidung  scherten aus einer Demonstration von etwa 2000 Rechtsextremen aus, die gegen Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany protestierten, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Die Gewalttäter schlugen demnach einen Fotografen, bedrohten Journalisten und warfen Knallkörper auf Polizisten. Einige trugen Molotow-Cocktails bei sich.

Die Polizei hatte den Anwohnern der Demonstrationsstrecke der Extremisten empfohlen, nicht vor die Tür zu gehen. Die Randalierer versuchten anderen Medienberichten zufolge mehrere Feiern zur Erinnerung an die gescheiterte Revolution von 1848 zu stören. Sie bewarfen die Polizei und Vertreter der Behörden mit Steinen, Eiern und Gemüse. Auch im vergangenen Jahr randalierten Rechtsextremisten am ungarischen Nationalfeiertag.

NPD-Kader bei Nazi-Aufmarsch dabei

Zudem marschierten Neonazis, darunter auch NPD-Kader, im Februar 2008 zu einem SS-Gedenken in der Stadt auf. In Ungarn findet alljährlich im Februar die Gedenkveranstaltung zum „Tag der Ehre“ statt, welcher von ungarischen B&H-Aktivisten organisiert wird. Die Gedenkveranstaltung fand 2007 mit insgesamt ca. 800 Teilnehmern statt, an der die deutschen Rechtsextremisten Eckart Bräuninger, Matthias Fischer sowie erstmalig der Bundesvorsitzende der NPD, Udo Voigt, teilnahmen. Sie richteten Grußworte an die versammelten Teilnehmer. Auch im Jahr 2008 waren wieder deutsche Rechtsextremisten in Ungarn dabei.

Siehe auch: Radiotipp: Ungarns rechtsextreme Bewegung, Budapest: Hunderte Rechtsextremisten randalieren, Dokumentation: Rechtsextremismus in Mittel-, Ost- und Südosteuropa., Budapest: Wieder NPD-Funktionäre bei SS-Gedenken dabei, Rockt Europa nach rechts?