MVP: Erneuter rechtsextremer Immobiliencoup in Anklam

Wie das ZDK (Zentrum für Demokratische Kultur) am 10. September 2008 bekannt gab, ist es der rechtsextremen Szene unbemerkt von der Öffentlichkeit und Verwaltung der Stadt Anklam erneut gelungen, eine größere Immobilie zu erwerben.

Nach Recherchen des „Blickpunkt Demokratie und Extremismus“ des Zentrums Demokratische Kultur handelt es sich dabei um ein Verwaltungs- und Produktionsgebäude der 2003 in Konkurs gegangen Bäckerei A-Back in der Leipziger Allee Nr. 9. Als Konkursverwalter trat die Greifswalder RA Kanzlei Sievers, Shea und Kron auf. Versuche die Immobilie über Zwangsversteigerungen am Amtsgericht Anklam zu vermarkten scheiterten im Frühjahr 2007. Am 20.6.07 wurde das Gebäude bei der Sommerauktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG in Rostock für 10.500,- Euro versteigert.

Bei dem mutmaßlichen Neubesitzer handelt es sich um einen Herrn R. aus Görke bei Anklam. R. ist in der Region seit langem als Rechtsextremist bekannt und soll maßgeblich bei der Organisation von Rechtsrockkonzerten aktiv gewesen sein. Anwohnern gegenüber ließ R. verlauten, dass Verwaltungsgebäude würde in Wohnraum umgewandelt. Über die beabsichtigte Verwendung der Produktionsräume ist bisher nichts bekannt. Doch liegt die Vermutung nahe, dass dort Veranstaltungen durchgeführt werden könnten. Auch eine Verwendung als Druckerei wäre vorstellbar. Bausicherungs- und Umbauarbeiten werden von den Nachbarn schon seit Herbst 2007 beobachtet.

Anklam hat somit einen dritten attraktiven Anlaufpunkt für die rechtsextreme Szene. Neben dem seit 10 Jahren überregional bekannten Laden „New Dawn“, von Marcus Thielke und dem auch im letzten Jahr von den beiden Aktivisten Hamisch und Wendt erworbenen Möbelhaus. Hier ist die KPV der NPD und ein Buchversand angesiedelt, stellt dieses neue Objekt einen weiteren Ausbau der rechtsextremen Infrastruktur dar. Zieht man dann noch die Objekte im Umland mit hinzu ist von einer im deutschsprachigen Raum einzigartigen Dichte neonazistischer Projekten auszugehen.

Nun sind nach Meinung des ZDK die Verantwortlichen der Stadt gefragt. Von mal zu mal steigt das Risiko, dass sich noch weitere rechtsextreme Unternehmungen in Anklam ansiedeln und die Stadt zu einem Wahlfahrtsort für Rechtsextremisten verkommt.

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