Tschechien: NPD-Kader bei illegalem Neonazi-Aufmarsch

Bei einer illegalen Veranstaltung der tschechischen Neonazi-Partei Delnicka Strana (DS, Arbeiterpartei) haben am 16. August 2008 laut einem Bericht von redok mehrere Vertreter der rechtsextremen NPD in Hradec Kralove als Redner teilgenommen. Die Neonazis konnten ihre illegale Kundgebung ungestört im Stadtzentrum direkt vor der Polizeibehörde abhalten.

Der Mitarbeiter der sächsischen NPD-Fraktion und Kandidat bei der kommenden Wahl in Bayern für den Stimmkreis Miesbach, Per Lennart Aae, überbrachte Grüße der NPD-Fraktion und hetzte gegen „die drohende Weltherrschaft der Hochfinanz“. Dafür erhielt er tosenden Applaus der Zuhörenden. Auch Katrin Köhler, die Vorsitzende des NPD-Kreisverbands Chemnitz, die für die NPD-Frauen-Organisation „Ring Nationaler Frauen“ auftrat, forderte in antisemitischer Manier: „Alle national denkenden und handelnden Menschen in Europa müssen zusammenhalten, um einen starken Gegenpol zum internationalen Hochfinanzkapital zu bilden“. Carola Holz überbrachte für den NPD-Landesverband Sachsen-Anhalt „die besten Kampfesgrüße“ und forderte, ein „Europa der Vaterländer“ müsse der Globalisierung und „Pan-Amerikanisierung Europas die Stirn bieten“.

Ein Vertreter Freier Nationalisten aus Dortmund hetzte gegen die „Fremdherrschaft der USA, die wiederum nur dem Lebensinteresse Israels dienen durch ihre unglaubliche Macht, die sie u.a. durch ihr Weltfinanzsystem aufgebaut haben“. Danach rief er die Anwesenden zu einer Schweigeminute für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß auf und zitierte dabei aus dessen Schlusswort im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess: „Ich bereue nichts“. (Siehe auch: Plakate mit Heß-Verehrung im Landkreis Lüneburg, Danke an Andi R.).

Ferner sprachen mehrere Vertreter tschechischer und slowakischer Neonazi-Gruppierungen. Ursprünglich sollten bei der Veranstaltung, die unter dem Motto „den svobody“ (Tag der Freiheit) stand, mehrere Neonazi-Bands und Redner auftreten. Die Veranstaltung wurde jedoch durch die lokalen Behörden untersagt. Dennoch mobilisierten die tschechischen Neonazis weiter und schlussendlich trafen sich am Bahnhof von Hradec Kralove, etwa 100 Kilometer östlich von Prag, an die 250 Neonazis, vorrangig Anhänger der „Autonomen Nationalisten“, aus Tschechien und der Slowakei. Dabei waren auch etwa zehn Deutsche. Mit einer illegalen Demonstration zogen die Neonazis in die Innenstadt, wo sie schließlich direkt vor der Kreisverwaltung der Polizei eine nicht genehmigte Kundgebung abhalten konnten.

Siehe auch: Tschechisches “Fest der Völker” geplant , Tschechien: 20 Verletzte bei Nazi-Attacke auf Gay-Parade, Dokumentation: Gewalt gegen die “Judenpresse”, Die Ziele der NPD: Österreich, Polen, Tschechien, Russland, Litauen, Tschechien: Proteste gegen Nazi-Aufmarsch im jüdischen Viertel, Dokumentation über Rechtsextremismus in Osteuropa.