MVP: Lübtheen wehrt sich gegen braunes Image

Die westmecklenburgische Kleinstadt Lübtheen (Kreis Ludwigslust) will sich mit einem Schülerprojekt gegen ihr Image als Hochburg des Rechtsextremismus wehren. Ein Jahr lang sind Schüler auf Recherche gegangen und haben Einwohner zu ihrer Einstellung befragt. Die Ergebnisse wurden in einer Broschüre unter dem Titel „Wir sind Lübtheen“ zusammengefasst, die die jungen Autoren und Stadtvertreter vorstellten. Nach den Worten von Bürgermeisterin Ute Lindenau zeigt das Projekt, dass Lübtheen für eine „bunte Vielfalt“ steht. Bei der Landtagswahl 2006 hatte die NPD 16 Prozent der Stimmen in der 5000-Einwohner-Stadt gewonnen. NPD-Funktionär Udo Pastörs wohnt in Lübtheen, allerdings war immer wieder über Strafzahlungen gegen ihn gemutmaßt worden, da er angeblich gegen Ausnahmegenehmigungen verstoßen haben soll.

Schon 1921 antisemitische Anfeindungen

MVRegio zitiert aus der Broschüre, dort heißt es: „Einst [!] stießen die Nazis in Lübtheen auf fruchtbaren Boden. Der jüdische Arzt Bernhard Aronsohn wollte schon 1921 nicht mehr als Gemeindevertreter kandidieren, weil er von den antisemitischen Bürgern der Stadt angefeindet wurde. Aronsohn hielt seinen Patienten dennoch die Treue, selbst nach dem Berufsverbot für jüdische Mediziner im Jahr 1938. Unter den SA-Männern, die seine Praxis überwachten und seine Patienten als „Judenknechte“ beschimpften, waren nach Aussage einer Zeitzeugin auch ein paar junge Lübtheener, die der Arzt vorher aus Rücksicht auf ihre Arbeitslosigkeit unentgeltlich behandelt hatte. Aronsohn flüchtete schließlich aus der Stadt nach Hamburg. Von dort wurde er 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.“

Recherchiert hat diese Geschichte demnach die Abiturientin Katharina Alexi unter Anleitung der Journalistin Evelyn Koepke. Ein Jahr lang befragten die neun Mädchen und zwei Jungen von der Regionalen Schule Mitschüler und Erwachsene, was sie an ihrer Heimatstadt schätzen und lieben. „Wir sind Lübtheen“ Herausgeber: Lübtheener Sportverein Concordia e.V.  ß-Verlag & Medien GbR, Rostock 31 S., Euro 3,50 ISBN 978-3-940835-05-5

Siehe auch: „Colonia Dignidad als Vorbild für Lübtheen?“