Buchtipp: „Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus“

„Rassismus in Deutschland? Ja, aber doch nur als Randphänomen in der Neonazi-Szene. Sie selbst gehören natürlich zu den „Guten“: Sie wissen genau, was Rassismus ist und wie er sich zeigt. Oder etwa nicht?“ Der Klappentext von Noah Sows Buch „Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus“ hält, was er verspricht: Eine Abrechnung. Und zwar nicht mit denen, die die Mehrheitsgesellschaft als Rassisten definiert hat, sondern eine Abrechung mit der Mehrheitsgesellschaft. Mit deren Definitionsanspruch, mit deren Verlogenheit und Inkonsequenz und auch mit deren vermeintlichen Aufgeklärtheit.

Sow erreicht ihr Ziel, sie nervt. Sie degradiert den weißen deutschen Leser zum Objekt, dem einmal ausführlich die Leviten gelesen werden. Die Lektüre ist keine reine Freude, soll es aber wohl auch kaum sein. Auch Personen, die sich mit dem Thema Rassismus ausführlich beschäftigt haben, werden mehr oder weniger höflich auf ihre teilweise kruden Einstellungen hingewiesen.

Schwarze Geschichte Deutschlands – war das was?

Ich kann mich da nicht ausnehmen: Meine Kenntnisse über die deutschen Kolonialverbrechen sind schwach ausgeprägt, beim „positiven Rassismus“ habe ich mich auch schon mehrmals erwischt (allerdings bereits vor der Lektüre dieses Buchs) und auch bei dem journalistischen Leitfaden muss ich noch einmal nacharbeiten. Denn: Bei rassistischen Überfällen sollten beispielsweise nicht nur die Hautfarbe des Opfers, sondern auch die der Täter angegeben werden. Auch die schwarze Geschichte Deutschlands und Europas dürfte den wenigsten Lesern so bekannt sein. Sehr gut auch die Definition von Rassismus, die Sow dem Leser eindringlich empfiehlt: „Um es kurz zu sagen: Rassismus ist nicht erst die negative Reaktion auf einen angeblichen Unterschied, sondern bereits die Behauptung des Unterschieds.“

Dieses Buch ist sehr lesenswert. Wenn ich ein Buch aus der Hand lege und etwas gelernt habe – und zwar über mich und meine Mitmenschen – dann handelt es sich für mich ganz eindeutig um ein gutes Buch.

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